Die erste Ausgabe von „DeutschPlus and friends“ am 5. April in der Bibliothek des Kreuzberger Lokals Max & Moritz war sehr erfolgreich. Das Publikum war bunt gemischt: Ein Integrationspraktiker aus einem Berliner Bezirk war gekommen, Kommunikations- und Kulturwissenschaftler_innen, Engagierte aus der Zivilgesellschaft. Es waren Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte. Sie alle verband das Interesse an dem Motto der Veranstaltung: Was können wir von der neuen Bundesregierung mit Blick auf die Einwanderungsgesellschaft erwarten?

Forderung nach einer „postmigrantischen Gegenbewegung“

Armaghan Naghipour, stellvertretende Vorsitzende von DeutschPlus, stellte die zentralen Aspekte des Koalitionsvertrags rund um das Thema Einwanderung und Einwanderungsgesellschaft vor und analysierte die Zusammensetzung des Kabinetts – ein Kabinett ohne Menschen mit erkennbarer Einwanderungsgeschichte. „Wir müssen selbst als neue Deutsche, die für Vielfalt stehen, lauter werden“, sagte Naghipour. Sie sprach sich für eine „postmigrantische Gegenbewegung zum gesellschaftlichen Rechtsruck in Deutschland“ aus.

Den Koalitionsvertrag der neuen Regierung kritisierte Naghipour stark: Es werde davon gesprochen, dass man „die Gesellschaft nicht überfordern“ sollte. Das Ziel sei es, „Migrationsbewegungen (…) angemessen mit Blick auf die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft zu steuern und zu begrenzen.“ „Wie bemisst man denn bitte die Integrationsfähigkeit einer Gesellschaft?“, merkte die Juristin kritisch an.

„Was ist deutsch?“

Aus ihren Kommentaren entwickelte sich eine spannende Debatte unter den Teilnehmenden: Es ging um den Zusammenhang zwischen sozialer Frage und Zugehörigkeit in der Einwanderungsgesellschaft, um die Fragen „Was ist deutsch?“, „Braucht es eine nationale Identität?“ und um den Rechtsruck in Deutschland.

„Die AfD will ihre Politik sozial verkaufen. Dabei sollte sie doch wissen, dass national und sozial nicht zusammen geht“, resümierte eine Person das Problem. Auch das Thema Flucht wurde diskutiert. „Es ist doch berechtigt, dass ein Mensch ein besseres Leben leben will“, warf jemand in die Debatte ein und erntete breite Zustimmung. Bei der Frage „Was ist eigentlich deutsch?“ schieden sich die Geister: „Diese Frage ist doch total überholt“, behauptete eine Person. „Man muss die Frage stellen, denn ihrer bedienen sich die Rechten“, meinte eine andere. „Deutsch ist nicht, woran du dich festklammerst“ – diesen Satz wolle man am liebsten den AfD-Wähler_innen zubrüllen. Jemand anderes sagte: „Statt Identität sollte es uns um Zusammenhalt, Teilhabe und Solidarität gehen.“ So könnte man fast das Fazit des Abends zusammenfassen. Denn diese Themen haben die Teilnehmenden eindeutig verbunden und sie nehmen sie mit in ihren Alltag.

Die zivilgesellschaftliche Organisation DeutschPlus trifft sich ab jetzt alle zwei Monate mit Interessierten zu einem offenen Austausch. Die Einladungen werden über den Newsletter verschickt und per Facebook verbreitet.

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