"Besorgte Bürger", sie spielen eine wichtige Rolle in Deutschland in letzter Zeit. Zumindest dominieren sie die Berichterstattung und Reden von Politiker_innen. Am Sonntag trafen sich besorgte Bürger_innen vor dem Brandenburger Tor. Diese Bürger_innen gehören allerdings nicht zu denen, die im Fokus der öffentlichen Debatte stehen. Ihre Sorge ist eine andere: Sie fürchten Rassismus im Plenarsaal des Deutschen Bundestags. Dagegen demonstrierten sie.

20171022_133422Familien mit Kindern, Studierende, Renter_innen, Personen jeglichen Geschlechts, mit und ohne Einwanderungsgeschichte: Über 10.000 Menschen kamen an diesem Sonntag zum Brandenburger Tor.  Auf einem großen Transparent stand: „An alle Abgeordnete: Hört auf die bunte Mehrheit“. Die bunte Mehrheit, das sind wir. Die bunte Mehrheit sind die 87 Prozent der Menschen, die eine Partei gewählt haben, die nicht mit Rassismus auf Stimmenfang ging. Die Demonstrant_innen machten mit ihren Schildern klar, wofür sie stehen: „Mein Herz schlägt für Vielfalt“ oder „Meine Stimme gegen Hetze“ standen darauf. 

23-jähriger Student hatte die entscheidende Idee 

Die Demo fand zwei Tage vor der konstituierenden Sitzung des nächsten deutschen Bundestages statt, in dem die AfD als drittstärkste Kraft vertreten sein wird. Initiator der Demonstration war Ali Can. Der 23-jährige Student aus Gießen wollte nicht gegen den Einzug der AfD in den Bundestag demonstrieren, sondern zum Einzug. Seine Forderung: Es darf keinen Rassismus im Deutschen Bundestag geben.  

Organisiert hatten die Demo mit ihm die Kampagnen-Netzwerke Avaaz und Campact. Auch DeutschPlus gehörte zu den Unterstützer_innen der Demo. DeutschPlus-Vorsitzender Farhad Dilmaghani verweist auf die Gefahr durch den Rechtspopulismus und Nationalismus der AfD: „Wer ständig erklärt, wer zu Deutschland gehört und wer nicht und das an der Herkunft der Eltern oder dem Namen des Menschen festmacht, spaltet unser Land. Wir alle sind Deutschland, in Vielfalt.“ 

„Wer in einer Demokratie schläft, kann in einer Diktatur aufwachen“ 

20171022_124458Die Demonstration zog durch das Regierungsviertel und umrundete den Bundestag: einen „symbolischen Schutzring“, nannten das die Veranstalter_innen. Die Polizei meldete eine ruhige Demo ohne Ausschreitungen.  

Initiator Ali Can moderierte das Bühnenprogramm aus Redebeiträgen des Holocaust-Überlebenden Peter Neuhof, politischen Redner_innen und Musik-Acts wie Culcha Candela. „Wer in der Demokratie schläft, kann in einer Diktatur aufwachen“, warnte Can das Publikum. „Mögen wir immer so laut sein wie heute, wenn wir Unrecht erleben.“ 

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