Debatten über Migration und Integration polarisieren die deutsche Öffentlichkeit. Vor einem Jahr hat eine Expertenkommission der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Leitbild für die Einwanderungsgesellschaft vorgelegt, das aufzeigt, wie ein „Miteinander in Vielfalt“ dennoch gelingen kann. Ein Jahr später fragen wir, wo wir heute stehen.

„Das Leitbild ist ein emotionales Angebot an alle 82 Millionen Menschen im Land, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.“, sagt Staatsministerin Aydan Özoğuz, Vorsitzende der Expertenkommission. Und fügt mit Blick auf das zurückliegende Jahr seit der ersten Veröffentlichung des Leitbildes hinzu: „Da ist etwas ins Rutschen geraten: Populisten schreien vom rechten Rand bis in die Mitte der Gesellschaft, wollen unser Land spalten. Wir wollen etwas entgegensetzen und unser integratives, weltoffenes Land verteidigen.“

Das Leitbild bietet eine Alternative zur Idee einer „Leitkultur“, die nie erfolgreich konkretisiert werden konnte. Seine Grundideen sind die Normalität von Migration und Vielfalt in einer heterogenen Gesellschaft, die Veränderbarkeit von Identitäten und die Notwendigkeit der Teilhabe aller im Interesse eines gerechten und friedfähigen Miteinanders. Ein leichterer Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft, kommunales Wahlrecht für alle dauerhaft vor Ort lebenden, die weitere interkulturelle Öffnung von Verwaltung, Wirtschaft und Medien und ein Bundespartizipationsgesetz schlägt die Kommission für mehr Teilhabe und gelebte Vielfalt vor. Mit Blick auf die sich bildende Bundesregierung sagt der Ko-Vorsitzende der Kommission und Vorsitzende von DeutschPlus e.V. Farhad Dilmaghani: „Wir fordern von der neuen Bundesregierung, dass sie eine teilhabeorientierte Integrations- und Vielfaltspolitik kraftvoll angeht und umsetzt. Hierzu gehört auch, dass die Verantwortlichen der Bundesregierung mit uns ein gemeinsames Leitbild für Deutschland als Einwanderungsgesellschaft entwickeln.“

Der Kommission gehörten 38 Expertinnen und Experten aus Politik und Verwaltung, Verbänden und Gewerkschaften, Wissenschaft, Medien und Kultur, Zivilgesellschaft und Religionsgemeinschaften an. Die Konferenz zur erneuten Diskussion von Leitbild und Agenda für die Einwanderungsgesellschaft am 27.2.2018 richten der AWO-Bundesvorstand, die Türkische Gemeinde in Deutschland, DeutschPlus e.V. und die Friedrich-Ebert-Stiftung aus.

Berlin, den 27.02.2018

Miteinander in Vielfalt. Leitbild und Agenda für die Einwanderungsgesellschaft https://www.fes.de/themenportal-flucht-migration-integration/leitbild-miteinander-in-vielfalt/

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Lena Högemann, DeutschPlus e.V., Tel. 0157 73 86 91 34, presse@deutsch-plus.de

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