Wir haben sieben Leitgedanken für ein Deutschland der Zukunft entwickelt, an deren Umsetzung wir als Generation „DeutschPlus“ mitwirken wollen:
1. Mehr Wissen über Migration – Das heißt Vorurteile abbauen
2. Forschung transparent machen – Öffentlichkeit schaffen
3. Vielfalt anerkennen – Diskriminierung verhindern
4. Bildungsbarrieren abbauen – Bildungsangebote verbessern
5. Nachwuchs fördern – Repräsentation stärken
6. Facettenreiche Identitäten als Normalität – Was heißt Deutsch-Sein heute?
7. Soziale Marktwirtschaft um transkulturelle Dimension erweitern
1. MEHR WISSEN ÜBER MIGRATION – DAS HEIßT VORURTEILE ABBAUEN
Die gelebte Integration ist weiter als die (Vor-)Urteile in den Medien und vielen Diskursen vermuten lassen. Sozio-demographische Ursachen von Konflikten und Problemen im Zusammenleben werden oftmals fälschlicherweise mit kulturellen Ursachen erklärt. Diese Kulturalisierung ist unverantwortlich, ebenso die Kategorisierung von Menschen als Problemgruppen entlang ethnischer, nationaler oder religiöser Grenzen. Defizite dürfen nicht geleugnet werden, in den letzten Jahren haben sich allerdings die nachholenden integrationspolitischen Maßnahmen als erfolgreich und viele angesprochene Menschen als interessiert und engagiert herausgestellt. Stützt man sich auf aktuelle Daten zum Stand der Integration in Deutschland, so ergibt sich ein weitaus positiveres Bild als die gegenwärtige Debatte widerspiegelt. Diese positiven Entwicklungen sollten mehr Beachtung und Unterstützung finden. Mit mehr Wissen über Migration und vielfältige Lebensentwürfe in Deutschland wollen wir zur faktenbasierten Aufklärung beitragen, um Vorurteile abzubauen und die täglich gelebten, positiven Beispiele stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.
Auf dieser Basis wollen wir einen informierten und informierenden Dialog mit Akteuren aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Medien führen.
2. FORSCHUNG TRANSPARENT MACHEN – ÖFFENTLICHKEIT SCHAFFEN
Die wissenschaftliche Forschung und die zeitnahe Umsetzung der Ergebnisse und Empfehlungen müssen zeitnah und verständlich in die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Hierzu ist u.a. die unabhängige Politikberatung im Bereich der sogenannten transkulturellen Öffnung der Gesellschaft gefordert. Unser Ziel ist die Gründung eines Wissenspools, der gemeinsam mit den Mitgliedern von „DeutschPlus“ sowie engagierten Wissenschaftler/innen „policy papers“ erarbeitet, um damit Gesellschaft, Politik und Medien mit inhaltlich fundierten, wissenschaftlichen Analysen schnell und effizient zur Seite zu stehen.
3. VIELFALT ANERKENNEN – DISKRIMINIERUNG VERHINDERN
Mit dem Prinzip der Vielfalt erwächst die Notwendigkeit, allen Menschen denselben diskriminierungsfreien Zugang zu Positionen zu ermöglichen. Damit ist eine Öffnung der Institutionen in Gesellschaft, Staat und Wirtschaft verbunden. „Managing Diversity“ bedeutet, dass sich die gesellschaftliche Vielfalt auch in den Institutionen widerspiegelt. Diese Vielfalt gilt es zu fördern, in dem wir anerkennen, dass die überwältigende Mehrheit aller, die hier leben, ihre Potenziale und Ressourcen einbringen und dadurch ihren Beitrag dazu leisten, dieses Land zu dem zu machen, was es ist.
Um Vielfalt zu fördern, muss gleichzeitig Diskriminierung in allen Bereichen individuell, institutionell und strukturell bekämpft werden. Diskriminierung grenzt in vielerlei Hinsicht aus und verhindert eine gleichberechtigte Teilhabe: auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, in den Medien und in der Politik. Zwar ist die rechtliche Gleichbehandlung gegeben, im Alltag ist eine Auseinandersetzung und Überzeugungsarbeit nach wie vor notwendig. Erst wenn Antidiskriminierungsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden, kann Ausgrenzung verhindert bzw. minimiert werden. Die transkulturelle Öffnung der Verwaltung hat hier auch Vorbildfunktion. Hier wollen wir uns einbringen, indem wir die Vorteile von „Managing Diversity“ transparent machen und unser Fachwissen anbieten.
Damit wollen wir auch den notwendigen Perspektivwechsel befördern. Erst wenn es gelingt, alle gesellschaftlichen Gruppen als integralen und gleichberechtigten Teil unserer Gesellschaft zu begreifen und wertzuschätzen, können wir den Graben zwischen „wir“ und „ihr“ schließen und bei „uns“ ankommen.
4. BILDUNGSBARRIEREN ABBAUEN – BILDUNGSANGEBOTE VERBESSERN
Bildung ist ein Kernelement für chancengleiche Teilhabe. Wir sind auf die Entfaltung aller im Land lebenden Talente angewiesen. Das ist gerecht und mit Blick auf den demografischen Wandel im Interesse aller. Wir können es uns nicht leisten, Potenziale zu vergeuden und Kinder mit schlechteren Startbedingungen durch das Bildungssystem fallen zu lassen. Daher setzen wir uns ein für die Beseitigung von Strukturfehlern sowie den Umbau des Bildungssystems zugunsten von mehr Chancengleichheit und -gerechtigkeit sowie Akzeptanz von Vielfalt an den Schulen. Wir wollen dabei unterstützen, Engagement und Investitionen in kulturell-heterogenen Schulen zu erhöhen, um deren Attraktivität zu steigern. Dafür werden wir uns auch als Paten und Lotsen auf lokaler Ebene betätigen und uns mit anderen Initiativen sowie Stiftungsprojekten vernetzen.
5. NACHWUCHS FÖRDERN – REPRÄSENTATION STÄRKEN
Deutschland kann es sich angesichts des zunehmenden Fachkräftebedarfs und des demographischen Wandels nicht leisten, die Einbindung und Entwicklung von Talenten mit Einwanderungsgeschichte weiterhin zu vernachlässigen. Mit Partnern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wollen wir gezielte und konkrete Nachwuchsförderung betreiben. Dafür werden wir geeignete Nachwuchskräfte mit Migrationshintergrund identifizieren und coachen sowie deren Karriereschritte im direkten Dialog mit aufgeschlossenen Arbeitgebern pro aktiv unterstützen. Viele Arbeitgeber, die Stellen mit qualifiziertem Personal auch mit Migrationshintergrund besetzen wollen, wissen allerdings oftmals nicht, wie sie geeignete Kandidaten finden können. Auch hier werden wir vermittelnd tätig werden. Wir wollen damit einen Trend unterstützen, der vieler Ortens schon eingesetzt hat.
6. FACETTENREICHE IDENTITÄTEN ALS NORMALITÄT – WAS HEIßT DEUTSCH-SEIN HEUTE?
Die Vorstellung „ein Mensch – eine Identität“ geht heutzutage, wo Patchwork-Identitäten, Multiple Self-Identitäten und hybride Identitäten das Selbst- und das Fremdbild bestimmen, an den Realitäten vorbei. Menschen sind geprägt durch facettenreiche Identitätsentwürfe. Im Zeitalter der Globalisierung werden aus ursprünglich eindeutigen Zuschreibungen wie Nation oder Religion zunehmend multiple Persönlichkeitsentwürfe, die das gleichzeitige Vorhandensein unterschiedlicher Referenzsysteme ermöglichen. Vermeintliche Loyalitätskonflikte – die u.a. in der jetzigen Fassung des Staatsangehörigkeitsrechts ihren Ausdruck finden – geben Ängste der Mehrheitsgesellschaft wider, aber selten die Lebensrealität der Betroffenen. Diese Ängste erschweren das Zusammenleben. Der Entscheidungszwang mit der Optionsregelung im deutschen Staatsangehörigkeitsrecht ist nicht nur anachronistisch, sondern auch integrationspolitisch verfehlt. Hier wollen wir dafür werben, dass das Staatsangehörigkeitsrecht weiter modernisiert wird und sich auch mehr Menschen für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden. Das Thema Identität wirft zugleich die Frage auf, was angesichts der allgegenwärtigen und kaum noch zu leugnenden einwanderungsbedingten Veränderungen in Deutschland das „Deutsch-Sein“ eigentlich bedeutet? Die Diskussion über das was heute ‚deutsche Identität’ ist, wollen wir offen und konstruktiv führen.
7. SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT UM TRANSKULTURELLE DIMENSION ERWEITERN
Die soziale Marktwirtschaft hat erheblich zur positiven und stabilen Entwicklung der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen. In den letzten 30 Jahren wurde diese um eine ökologische Komponente erweitert. Es ist an der Zeit, die soziale und ökologische Marktwirtschaft um eine transkulturelle Komponente zu erweitern. Die positiven Auswirkungen von Einwanderung auf die Volkswirtschaft müssen besser quantifiziert und qualifiziert werden, um eine zukunftsorientierte Einwanderungspolitik auf den Weg zu bringen. Darum wollen wir uns an der Debatte über ein zeitgemäßes Einwanderungsgesetz beteiligen, dass sich an den positiven Erfahrungen klassischer Einwanderungsländer orientiert.
Die Umsetzung der Leitgedanken erfolgt mit der Zielsetzung, die Rahmenbedingungen für eine verbesserte Teilhabe und Repräsentanz der „Generation DeutschPlus“ in allen gesellschaftspolitisch relevanten Handlungsfeldern zu schaffen. Unsere Arbeit ist handlungsorientiert, zunächst mit drei Arbeitsgruppen: Diversity/Nachwuchsförderung, Wissenspool und Kommunikation. Aufbauend auf diesen sieben Leitgedanken werden wir unsere Zielvorstellungen für eine dynamische Einwanderungsgesellschaft weiterentwickeln. Alle Interessierten – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – sind herzlich eingeladen, an dieser Vision für ein gemeinsames, plurales und modernes Deutschland mitzuarbeiten.