Von Unworten zu Untaten

Ein wissenschaftlicher Beitrag von Prof. Dr. Klaus J. Bade in
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS)

IMIS-BEITRÄGE
Heft 48/2016

Kulturängste, Populismus und politische Feindbilder
in der deutschen Migrations- und Asyldiskussion
zwischen ›Gastarbeiterfrage‹ und ›Flüchtlingskrise‹

 

In der Aula des Osnabrücker Schlosses habe ich am 27. Juni 2007, anderthalb Jahrzehnte nach der formellen IMIS- Gründung, meine Abschiedsvorlesung gehalten. Ihr Titel hieß ›Leviten lesen: Migration und Integration in Deutschland‹. 1 Das hat mir in den Medien eine Zeit lang den Beinamen ›Der Levitenleser‹ eingetragen. 2 Der Titel stand aber in der Tradition eines in Osnabrück erarbeiteten Konzepts, das ich ›kritische Politikbegleitung‹ genannt habe und dem sich auch die beiden bundesweiten Organisationen, die ich anstoßen durfte, bis heute verpflichtet fühlen: der Rat für Migration (RfM) und der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). 3

 

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1
Klaus J. Bade, Leviten lesen. Migration und Integration in Deutschland. Osnabrücker
Universitätsreden, Göttingen 2007; um Grußworte, Reden u.a. ergänzte Fassung in: IMIS-
Beiträge, H. 31, Osnabrück 2007 (http://kjbade.de/bilder/imis_beitrag31.pdf).
2
Der Levitenleser. Jahrzehntelang hat der Historiker Klaus J. Bade dafür gekämpft, dass
Politiker Migrationsprozesse verstehen. Jetzt hält er seine Abschiedsvorlesung, in: Die Ta-
geszeitung (taz), 26.6.2007; vgl. u.v.a.: Der Mann, der Politpenner weckt, in: ebd., 27.6.2007;
Politischer Frühwarner. Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Klaus J. Bade, in: Osnabrücker
Nachrichten, 27.6.2007; Rufer in der Wüste, in: ebd., 28.6.2007; Prophet im eigenen Ein-
wanderungsland, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 29.6.2007; Klaus Bade, ein
Mahner in Sachen Integration, in: WeltOnline, 27.6.2007; Prof. Klaus J. Bade: Der Frühwarner, in: trend. Zeitschrift für soziale Marktwirtschaft, 29. 2007, H. 111, S. 66–69.
3
Vgl. ders., 20 Jahre nach dem ›Manifest der 60‹. Offene Forderungen an das Einwande-
rungsland, in: Mediendienst Integration, 18.11.2013; überarb. u. erw. Fassung in: Familien
dynamik. Systemische Praxis und Forschung, 2015, Nr. 3, Juli 2015 (Transkulturelle Per-
spektiven), S. 220–231; Festschrift zum Abschied vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Berlin 2012 (www.svr-migration.de/content/wp-
content/uploads/2012/08/FestschriftSymposiumfuerProfBade_creator.pdf).

 

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Was ist deutsch? Identität(en) und gesellschaftliche Gestaltungskraft

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière bei der Podiumsdiskussion in Frankfurt/Oder Quelle: Nina Cottrell/bpb

Julia Mi-ri Lehmann, 23.01.2015

Die Frage nach dem „wir“ im wiedervereinigten Einwanderungsland Deutschland

In diesem Jahr feiert Deutschland 25 Jahre Wiedervereinigung. Gleichzeitig demonstrieren in Dresden und anderen deutschen Städten Anhänger der Pegida-Bewegung gegen eine sogenannte „Islamisierung“ Deutschlands. Ein guter Zeitpunkt also, um über deutsche Identität (was ist das eigentlich?) und sozialen Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft zu diskutieren und sich auszutauschen.

Zu diesem Zweck fanden sich am vergangenen Montag Personen allen Alters -mit und ohne Migrationshintergrund- bei der Veranstaltung „Was ist ‚deutsch‘? Identität(en) und gesellschaftliche Gestaltungskraft“ in Frankfurt/ Oder zusammen. Eingeladen hatten das Bundesministerium des Inneren und die Bundeszentrale für politische Bildung.

Ziemlich schnell war klar, dass alle Teilnehmer „Identität“ als etwas sehr Individuelles und Dynamisches empfinden. Dementsprechend fanden es die meisten auch schwierig, von typisch deutschen Eigenschaften zu sprechen. Dieser positive Umgang mit vielfältigen Identitäten ist ein erstrebenswertes Zeichen unserer Zeit. Er entspricht nicht nur der Realität einer Einwanderungsgesellschaft, sondern ist auch Ausdruck einer gelebten freien Entfaltung der Persönlichkeit. Es ist daher erfreulich, dass die Anerkennung und Wertschätzung einer „hybriden“ Identität mittlerweile zum Mainstream geworden ist und besonders von Vertretern der jüngeren Generation als selbstverständlich und bereichernd empfunden wird. Zeit also, das Konzept der Assimilierung (endlich!) grundlegend zu hinterfragen: Jeder, der von Zuwanderern verlangt, dass sie sich anpassen sollen, muss sich im Klaren darüber sein, dass die deutsche Leitkultur, wenn, dann nur in seiner gelebten Pluralität existiert.

Übrig bliebe dann noch die Frage des sozialen Zusammenhalts. Statt „Identität“ war „Identifizierung“, im Sinne einer Bereitschaft sich für das Gemeinwohl einzusetzen, für viele Teilnehmer das Stichwort. Die genannten Beispiele machten aber deutlich, dass wer sich wann, wo und wie für das Gemeinwohl einsetzt keine Frage des Migrationshintergrunds ist. So könnte man zum Beispiel auch fragen, wie es eigentlich mit der Identifizierung von deutschen Großunternehmen aussieht, die Gewinne in Steueroasen anlegen oder von Superreichen, die sich bewusst von der Gesellschaft exkludieren.

Somit hat die Veranstaltung insgesamt gezeigt, dass die Unterteilung in „wir“ (die autochthonen Deutschen) und die „anderen“ (Menschen mit Migrationsgeschichte) nicht nur faktisch falsch, sondern auch wenig zielführend ist, wenn wir die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft lösen wollen. Anstatt uns also weiterhin exzessiv mit der Identität, Identifikation oder Anpassung der sogenannten „Anderen“ zu beschäftigen, sollten wir lieber alle einladen, sich gemeinsam mit den aktuellen und drängenden gesellschaftspolitischen Fragen zu beschäftigen, wie zum Beispiel: Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus? Wie soll unser Bildungssystem verfasst sein? Wie nachhaltig wollen wir leben? Wie wollen wir unsere Stadt gestalten? Wie können wir gleichberechtigte Teilhabe für alle gewährleisten?

Man könnte das auch demokratische Willkommenskultur für alle nennen.

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Neuausrichtung der Migrations- und Integrationspolitik in dieser Legislaturperiode gefordert

DeutschPlus e.V. unterstützt Petition für eine Neuausrichtung der Migrations- und Integrationspolitik auf Bundesebene in Kooperation mit dem Rat für Migration

Am 1. Oktober forderte der Rat für Migration zusammen mit sechzig Wissenschaftlern und weiteren Erstunterzeichnern in einem offenen Brief und einer Online-Petition die künftige Bundesregierung auf, die Migrations- und Integrationspolitik zu reformieren und diese fortan in einem erweiterten Querschnitts-Ministerium für Arbeit, Soziales, Migration und Integration einzugliedern.

Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Migration und Integration

DeutschPlus e.V. und der Rat für Migration kooperieren, um gemeinsam weitere Unterstützer für die Online-Petition zu gewinnen. Ziel ist, dass in den kommenden Koalitionsverhandlungen Vereinbarungen getroffen werden, die die wesentlichen Inhalte der Petition zu einem Thema für die neue Legislaturperiode machen.

Die Online-Petition zur „Institutionellen Reform der Integrations- und Migrationspolitik“ kann unter change.org gezeichnet werden.

Gemeinsam können wir 50.000 Unterschriften sammeln. Bitte unterstützt und teilt diese Petition tatkräftig.

Weitere Infos zur laufenden Kampagne findet ihr in Kürze hier.

Kürzlich gesendet: ein Interview des Bayerischen Rundfunks mit den Erstunterzeichnern der Petition Prof. Dr. Klaus J. Bade, Rat für Migration, und Farhad Dilmaghani, Staatssekretär a.D., Vorsitzender DeutschPlus, das auf die Beweggründe und Ziele der Petition eingeht.

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Konferenz „Die Integrationspolitik von morgen”

Die Integrationspolitik von morgen – politische und rechtliche Vorschläge für die kommenden Jahre“ am 13.6.2013. DeutschPlus und die Friedrich-Ebert-Stiftung luden am Donnerstag zur Konferenz zum Thema „Die Integrationspolitik von morgen – politische und rechtliche Vorschläge für die kommenden Jahre“ ein. Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung. Read more ›

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DeutschPlus Jahresworkshop 2013

Am 09. Juni 2013 fand der DeutschPlus Jahresworkshop 2013 in den Räumen der Hertie Stiftung Berlin statt. An einem Nachmittag wurden aktuelle Projekte besprochen, gemeinsam neue Ideen entwickelt und neue Kooperationen für das kommende Jahr 2014 geknüpft.

Nach einem kurzen Jahresrückblick unseres Vorsitzenden Farhad Dilmaghani gab es einen spannenden Impulsvortrag von Sergius Seebohm, Communications Director Germany bei Change.org. Nach einer kurzen Stärkung ging es in der zweiten Hälfte unseres Workshops in die Arbeitsgruppen. Read more ›

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DeutschPlus zu Gast bei Relaunching Europe

Unser DeutschPlusser Philip Marcel war am 12. April zu Gast bei “Relaunching Europe” in Lyon. Die Veranstaltungsreihe “Relaunching Europe – Our Alternative Vision for the Future” ist eine neue Initiative der S&D Group und bietet ein Forum für Diskussion und Austausch rund um das Thema Europa. Gemeinsam mit vielen interessanten Gästen wurde einen ganzen Tag das Thema Integration und ein besseres Zusammenleben als europäische Bürger diskutiert.

Einige Eindrücke der Veranstaltungen haben wir für Dich online gestellt.

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