Im Rahmen von HOORAY entstand der Brandbrief von Serina Taylor. Beim Day of Rights trug sie ihn vor. Es geht um die aktuelle Situation von Diskriminierung in den Schulen.

 Art. 3 Abs. 3 GG (3)
Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Art. 3 des Grundgesetzes verbietet Diskriminierung in jeglicher Form.
Dabei ist auch dieser Artikel unseres höchsten Gesetzes diskriminierend, denn der Begriff Rasse unterteilt Menschen in verschiedene Gruppen und stellt sie dadurch auf verschiedene Stufen. Einfach ausgedrückt sagt der Begriff Rasse, dass es unterschiedliche Gruppen von Menschen gibt und es somit die höher entwickelten und niedrig entwickelten Gruppen gibt.

Es gibt viele Aufsätze, die sich mit diesem Problem auseinandersetzen und viele Menschen, die sich für eine Änderung dieses Wortes einsetzen. In diesem Brief soll es aber nicht um den Begriff ,,Rasse'' gehen, sondern um Rassismus in der Schule.

Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist zu erkennen wie Rassismus funktioniert und wo er vorhanden ist, um den Begriff und die daraus resultierenden Schwierigkeiten
zu verstehen. Ist-Zustand Rassistische Diskriminierung von schwarzen Schüler*innen ist alltäglich. Ich kann Ihnen aus erster Hand konkrete Beispiele für Diskriminierung im täglichen Schulalltag nennen. Es geht mir dabei nicht nur darum Sie davon zu überzeugen, dass Rassismus und Diskriminierung tief in unserer
Gesellschaft verankert ist, sondern ich möchte Sie dafür sensibilisieren Rassismus zu erkennen und dagegen anzugehen.

Anhand von Beispielen aus meinem Umfeld werde ich Ihnen dies erklären/erläutern:
Mein Erdkundebuch zeigt einen Überblick von Afrika, ein Einstieg in das neue Thema. Auf der ersten Seite sind ein paar Statistiken über Export und Import, eine physische Karte und eine aus Lehm und Stroh zusammen gebaute Hütte zu sehen. Das wahre Leben eines Afrikaners ist einfach, ländlich und nicht zu vergleichen mit dem eines Europäers. Sie sehen die primitiv errichtete Hütte, die symbolisch für das Leid der armen, hilflosen und zurückgeblieben Afrikaner steht.

Ich sehe noch eine komplett unrealistische Darstellung von dem Leben in Afrika. Noch eine Abbildung, die meine Freude in ihrem Glauben bestätigt Afrikaner seien alle arm, hätten kein fließendes Wasser und viel schlimmer kein W-Lan. Ja sie sind froh deutsch zu sein und gewisse Privilegien zu genießen und wie ihrer Mütter früher stets zu sagen gepflegten sind sie froh etwas zu Essen auf dem Teller zu haben, da ja Kinder in Afrika nichts haben.

Erkannt wird das Problem solcher Darstellungen von den Wenigsten; gesehen und verändert wird erst recht nichts. Wir werden erzogen in dem Glauben Afrikaner wären unterentwickelt und müssten daher auch so behandelt werden. Sie bräuchten Unterstützung von uns, der westlichen Welt, um sich zu entwickeln, um die
Wirtschaft zu stärken, um Korruption zu stoppen und ganz einfach, um auf den Stand der westlichen Welt zu gelangen.

Dabei wird die westliche Welt als großer Retter der Armen dargestellt, dieses Bild setzt sich bei Jugendlichen und Kindern besonders schnell fest. Aber im Unterricht nicht
darauf einzugehen wieso und wodurch sich diese Probleme ergeben haben, lässt Raum für rassistische Vorurteile und grobes Unwissen. Der Kolonialismus spielt nur eine ganz kleine Rolle im Lehrplan ist aber essentiell für das Verständnis und das Erkennen welche Auswirkungen der Rassismus der Vergangenheit auf unser heutiges Leben hat.


Ein weiteres Beispiel: Meine Klasse besteht aus 30 Schüler*innen, zwei davon sind Schwarz, die restlichen weiß. Meine Schule wird von 800 Schüler*innen besucht 5 davon sind Schwarz die restlichen 795 sind weiß. Es unterrichten 65 Lehrer*innen an meiner Schule 1 von ihnen ist Schwarz, die restlichen 64 sind weiß. Sie sehen, diese Schule wird nur von der besseren Gesellschaftsgruppe besucht, die 5 Schwarzen Schüler*innen hatten bestimmt nur Glück bei der Aufnahme und der Lehrer muss wohl sehr gut sein in seinem Fach – natürlich Sport oder Musik, denn ein wissenschaftliches Fach ist doch wohl eher für die weiße Bevölkerung gedacht.

Wir sind so tolerant, ein schwarzer Lehrer hat das Privileg unsere weißen Musterschüler zu unterrichten - ach sind wir nicht die besten Menschen der Welt. Weder rassistisch noch veraltet. Was ich sehe, endlich bin ich nicht mehr die einzige schwarze Person. Gut das meine Schule nach 90 Jahren erkennt, dass auch schwarze Lehrer*innen guten Unterricht machen, nur schade das es bei einer Lehrperson
geblieben ist und, dass sie sich die Mehrheit jetzt als total aufgeschlossen sieht. Aber vorsicht: denn nur durch die Einstellung einer schwarzen Lehrperson wird man nicht automatisch frei von Rassismus und die Tatsache, dass Menschen daraus schließen, nicht mehr rassistisch zu sein, verdeutlicht dass sie sich weder mit dem Thema Rassismus auseinander gesetzt haben, noch dass sie ihn ernsthaft aktiv angehen wollen.

Mein letztes Beispiel spiegelt die Tatsache wieder, dass Schüler die von Diskriminierung betroffen sind, keine Möglichkeit haben sich gegen diese zu Wehr zusetzen. Sie haben keine direkte Person an die sie sich in solchen Fällen wenden können. Anders als Verwundete die Schulsanitäter als Anlaufstelle nutzen können, um ihre physischen Wunden heilen zu lassen, sieht die Schule Diskriminierung nicht als richtiges Problem an und stellt daher den von Diskriminierung betroffenen Schüler*innen keinen Beistand und keine Unterstützung bei. Ihre seelischen Wunden
sind aus Sicht der Schule nicht da und müssen nicht behandelt werden.

Die Schule verschließt ihre Augen vor Diskriminierung und fördert sie somit. Schüler*innen verbringen 10-13 Jahren ihres Lebens in der Schule, sie ist ein wesentlicher Teil ihres Lebens, deshalb ist es um so wichtiger, dass wir gesellschaftskritischen Unterricht machen und Schüler*innen beigebracht wird, was Rassismus und Diskriminierung ist und in welchen Kotexten er auftaucht.

Dieses Wissen würde die Menschen zum nachdenken anregen und sie auffordern zweimal zu überlegen was sie wie sagen. Hiermit rufe ich alle Lehrer*innen dazu auf Seminare zur Erkennung von Diskriminierung zu besuchen, damit sie ihre Schüler*innen zu diskriminierungsfreien jungen Erwachsenen erziehen, indem sie ihren Einfluss auf die Entwicklung von Jugendlichen positiv nutzen.

Serina Taylor

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