Christiane Kaess sprach im Deutschlandfunk mit dem Politikwissenschaftler und Rechtsextremismus-Forscher Dirk Borstel über die Krise der demokratischen Kultur.

26 Jahre nach der Wiedervereinigung hat die Bundesregierung den „Jahresbericht zur deutschen Einheit“ vorgestellt, in dem diese den gesellschaftlichen Frieden gefährdet sieht.

Laut dem Extremismusforscher und Politikwissenschaftler Dierk Borstel erlebt Deutschland eine „starke Krise der demokratischen Kultur“. Unter anderem habe dies mit der Flüchtlingspolitik zu tun, die Ängste, Ressentiments und Rassismus im ganzen Land freigesetzt habe schreibt der Deutschlandfunk.

Drei Faktoren träfen hier zusammen: Erstens, die Radikalisierung in einem Teil der Mitte der Gesellschaft, die sich in einer „völkischen Mobilisierung“ manifestiert. Zweitens, gewaltbereite Rechtsextremisten, zu denen auch eine neue, bisher nicht gewalttätige Tätergruppe kommt, die sich jetzt ermutigt fühlt, Brandanschläge auf Flüchtlingsheime zu unternehmen. Und drittens eine eklatante Schwäche von Demokraten in der Mitte. Letzteren fehle eine Vorstellung davon, was dieser Radikalisierung als demokratische Antwort entgegenzusetzen ist. Statt einem Klein-Klein, müssen wir vielmehr eine Vorstellung entwickeln, wie wir zukünftig diese Gesellschaft gestalten wollen.